Zum Hauptinhalt springen

MedienmitteilungVeröffentlicht am 9. Februar 2026

OSZE-Konferenz zur Bekämpfung von Antisemitismus

Bern, 09.02.2026 — Mit einem Appell gegen Antisemitismus, Hass und Diskriminierung hat der amtierende OSZE-Vorsitzende, Bundesrat Ignazio Cassis, am 9. Februar 2026 die OSZE-Konferenz zur «Bekämpfung von Antisemitismus: Bewältigung der Herausforderungen von Intoleranz und Diskriminierung» eröffnet. Die zweitägige Konferenz findet in St. Gallen statt und ist die erste von verschiedenen internationalen Konferenzen im Rahmen des Schweizer OSZE-Vorsitzes 2026.

Antisemitische Übergriffe nehmen weltweit an Intensität und Sichtbarkeit zu. Internationale Entwicklungen wie die Terroranschläge der Hamas am 7. Oktober 2023 und der darauffolgende Krieg in Gaza haben diesen Trend weiter verschärft. Aktuelle Vorfälle zeigen, dass auch die Schweiz davon betroffen ist. Die steigende Zahl registrierter Übergriffe im öffentlichen Raum verdeutlichen den Handlungsbedarf. Die Konferenz in St. Gallen, eine Stadt mit einer langen Tradition des interreligiösen Dialogs, bietet den Rahmen für den Dialog zwischen OSZE-Teilnehmerstaaten, internationalen Organisationen, Fachpersonen sowie der Zivilgesellschaft, um diese Herausforderungen anzugehen.

In seiner Eröffnungsrede betonte der amtierende OSZE-Vorsitzende Ignazio Cassis, dass das Wiedererstarken von Antisemitismus sowie von Hass und Diskriminierung gegenüber anderen Gruppen mehr als 80 Jahre nach der Shoah zutiefst beunruhigend sei. «Wir haben einst ‹nie wieder› gesagt – doch der Hass hält an und schlägt erneut in Gewalt um. Das ist inakzeptabel – für die Opfer, für unsere Gesellschaften, für unsere Sicherheit», erklärte er.

Ziel der Konferenz in St. Gallen ist es, die Spirale besser zu verstehen, die zu Intoleranz und Diskriminierung führt, um wirksamer gegen den daraus resultierenden Hass vorgehen zu können. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf der Prävention bei Jugendlichen, die Online-Gewalt ausgesetzt sind, sowie im Sport, wo es oft zu Spannungen und Auseinandersetzungen kommt. «Hass beginnt mit Worten, mit Stigmatisierung und mit Gleichgültigkeit», so Cassis. Deshalb muss frühzeitig gehandelt werden.

Rolle der OSZE

Mit Blick auf die Rolle der OSZE bekräftigte der EDA-Vorsteher die Ambition des Schweizer Vorsitzes, die Bekämpfung von Antisemitismus und Intoleranz dauerhaft auf der politischen Agenda zu halten. Die Konferenz knüpft an bestehende OSZE-Verpflichtungen an, insbesondere an die Erklärung zu Antisemitismus aus dem Jahr 2014, die ebenfalls unter Schweizer Vorsitz verabschiedet worden war. Ziel ist es, Prävention, Schutz von Gemeinschaften sowie gesellschaftliche Resilienz gezielt zu stärken.

Prävention und politische Handlungsmöglichkeiten

Der erste Konferenztag stand im Zeichen des politischen Austauschs auf hochrangiger Ebene. In den folgenden Diskussionen, die in geschlossenem Rahmen stattfinden, diskutieren Expertinnen und Experten präventive Ansätze, aktuelle Bedrohungslagen auf Basis neuer Daten des Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) und der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) sowie politische Handlungsmöglichkeiten. Thematische Schwerpunkte bilden unter anderem Bildung und Dialog, der Schutz betroffener Gemeinschaften sowie der Sport als Raum für Inklusion und Sensibilisierung.

Bilateraler Austausch

Am Rande der Konferenz tauschte sich Bundesrat Ignazio Cassis mit der Regierungschefin-Stellvertreterin des Fürstentums Liechtenstein, Sabine Monauni, und dem Staatssekretär im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten der Republik Österreich, Sepp Schellhorn, aus. Ausserdem traf er die persönlichen Beauftragten des amtierenden OSZE-Vorsitzenden für Toleranz und Nichtdiskriminierung, Rabbi Andrew Baker, Botschafter Evren Dağdelen Akgün und Wolfgang Palaver.

Die Konferenz endet am 10. Februar 2026. Die Ergebnisse der technischen Diskussionen sollen dazu beitragen, bestehende Verpflichtungen der OSZE-Teilnehmerstaaten in konkrete, praxisorientierte Massnahmen zu überführen.

Links